Die Knopfpflanze (Androsace) ist eine der bezauberndsten Steingartengruppen innerhalb der Familie der Fingerkrautgewächse (Primulaceae). Die Botaniker haben die Gattung in sechs größere Gruppen unterteilt, von denen die Arten der Chamaejasme-Gruppe bei Liebhabern von Steingärten besonders beliebt sind. Typisch für diese Gruppe sind Pflanzen, die auf längeren oder kürzeren Ranken neue Blattrosen bilden, deren Blüten typischerweise in Dolden angeordnet sind. Zur Gruppe gehören Androsace sarmentosa, A. chamaejasme, A. lanuginosa und A. sempervivoides – alle von besonderer Schönheit, jedoch mit unterschiedlichen Ansprüchen.
Androsace sarmentosa – Das rankende Androsace, der Freund der Gartenanfänger
Das rankende Androsace (Androsace sarmentosa) sticht in seiner Art etwas hervor: Während die meisten Androsace-Arten streng alpine Felsen- und Spaltenbewohner sind, ist diese Art kräftiger, ausladender und deutlich toleranter gegenüber den Anbaubedingungen. Deshalb wird sie häufig der Gruppe der „größerwüchsigen“ oder „rasenbildenden Steingartenpflanzen“ zugeordnet und nicht den anspruchsvollen alpinen Spezialisten.

Erscheinung und Wachstum
Der Androsace sarmentosa bildet einen silbrig-grauen Blätterteppich, der sich langsam, aber stetig ausbreitet. Über Ausläufer entwickelt er neue Blattrosetten, die bodennah anliegend durch den dort gesammelten Tau leicht Wurzeln schlagen. Diese Eigenschaft macht ihn hervorragend geeignet für die Bepflanzung größerer Flächen und abschüssiger Bereiche, wo die Pflanze nicht nur schmückt, sondern auch den Boden festigt.
Im Mai erscheinen die zarten rosafarbenen, schirmförmig stehenden Blüten, die sanft über den grau-silbernen Blattpolstern schweben. Die Blüte ist unaufdringlich, aber harmonisch und passt auch hervorragend zu mediterranen Steingärten.
Standort und Boden
Dies ist die Pilzart, mit der auch Anfänger bedenkenlos experimentieren können. Sie macht sich an allen Standorten gut: sowohl in der Sonne als auch im Schatten. Nur feuchter, staunasser Boden wird nicht vertragen, aber der durchschnittliche, gut drainierte* Steingarten-Boden eignet sich hervorragend. Es kann sogar unter Bäume gepflanzt werden, was ein seltener Vorteil unter Hochgebirgspflanzen ist.
Verwendung
Empfohlen zur Bepflanzung größerer, zusammenhängender Flächen, unter Steingartentreppen, an Mauerkanten oder auf steinigen Hängen. Gut kombinierbar mit anderen Pflanzen ähnlicher Ansprüche und silbrigem Laub, wie beispielsweise kleineren Fetthennenarten (Sedum) oder kleinen Glockenblumen (Campanula).
Androsace chamaejasme – Die Schmuckschatulle der Pyrenäen
Das Androsace chamaejasme kommt in den Hochgebirgen der Zentralpyrenäen vor, oberhalb von 1700 Metern, sowohl auf Urgestein als auch auf Kalkstein. Diese Art gehört bereits zur Kategorie der „strengen Hochgebirgsspezialisten“ – sie ist etwas anspruchsvoller, doch wer ihr gibt, was sie benötigt, wird mit einer wirklich besonderen Pflanze belohnt.

Erscheinungsbild
Die Blattrosetten sind klein, nur 1–2 cm breit, lebhaft grün und breiten sich langsam auf nahezu unsichtbaren Ausläufern aus. Dieses langsame Wachstum bringt auch einen Vorteil mit sich: Die Pflanze wird nicht aufdringlich, jeder Zentimeter wird mühsam erkämpft.
Im Juni und Juli blühen die weißen, gelbäugigen Blüten, die 8–12 mm groß sind und zu zweit bis fünft in Dolden an den 4 cm langen Stielen stehen. Die Blütezeit erstreckt sich über einen langen Zeitraum, und die Pflanze ist dann ein wahrer Schatz in der „Schmuckschatulle“ des Steingartens.
Standort und Boden
Pflanzen Sie sie an einen halbschattigen Standort, in die Vertiefungen der Kalksteine. Der Boden sollte eine feinkiesige, humose und gut durchlässige Mischung sein, der reichlich Kalksteinmehl beigemischt wird. Eine geeignete Grundmischung besteht aus: 1 Teil kompostierter Rinde oder Blattkompost, 2 Teilen feinem Kies oder Grieß (auch Schotter oder gebrochener Stein mit 2-5 mm Körnung), 1 Teil Sand und reichlich Kalksteinsplitt (mindestens 30–40 %). Es ist wichtig, dass der Boden niemals nass wird – stattdessen sollte die Umgebung regelmäßig befeuchtet werden, um der Pflanze ein kühles, aber nicht nasses Mikroklima zu bieten.
Herausforderungen
Diese Art ist nicht mehr für Anfänger geeignet. Sie erfordert Geduld, Aufmerksamkeit und ein gutes Fingerspitzengefühl. Wer jedoch die vertraute Welt der Hochgebirgspflanzen liebt, wird dieses kleine weiße Kissen mit Sternblumen besonders schätzen.
Androsace lanuginosa – Der wollige Himalaya-Nomade
Das wollige Pilzkraut (Androsace lanuginosa) stammt aus dem Himalaya und wächst in Höhenlagen zwischen 2000 und 3800 Metern. Diese Art repräsentiert bereits einen ganz anderen Typus: nicht dicht polsterbildend, sondern locker und rasenartig wachsend mit langen Trieben.

Erscheinungsbild
Die bleistiftlangen, am Boden liegenden Triebe sind rot gefärbt, und darauf sind die kleinen Blätter silberweiß wollig – als wären sie mit einer dünnen Filzschicht überzogen. Dieses Fell schützt die Pflanze vor der UV-Strahlung im Hochgebirge und vor plötzlichen Temperaturschwankungen.
Von Juni bis zum Frost – manchmal sogar bis Oktober! – blühen die weißen, anfangs gelben, später dunkel kastanienbraunen augenförmigen Blüten an 4–10 cm hohen Stängeln in Dolden mit fünfzehn Blüten. Dies ist eine lange Blütezeit, die selbst unter Steingartenpflanzen eine seltene Kostbarkeit darstellt.
Wachstum und Überwinterung
Die Triebe der Pflanze erobern im Laufe der Saison immer größere Flächen. Wenn die Triebe eingebuddelt werden, schlagen sie Wurzeln, andernfalls erfrieren sie im Winter. Das ist kein Problem: Aus den bewurzelten Winter-Blattrosetten treibt die Pflanze im Frühling frisch aus und bedeckt eine noch größere Fläche als im Vorjahr.
Standort und Boden
Sie fühlt sich an einem sonnigen, aber nicht zu warmen Standort wohl. Der Boden sollte wasser-durchlässig und eine sandige Grundmischung sein: hergestellt aus 1 Teil kompostiertem organischen Material (Blattkompost oder Kokosfaser), 2 Teilen grobem Sand und 2 Teilen feinem Kies (3-8 mm). Wesentlich ist, dass das Wasser frei hindurchfließen kann und sich nicht darin staut. Die Art ist überhaupt nicht empfindlich – sie lässt sich leicht kultivieren, wenn die Wasserableitung gewährleistet ist.
Begleitpflanzen
Ausgezeichnete Nachbarpflanzen sind solche mit ähnlichen Bodenansprüchen, wie etwa die blau blühenden Sorten von Lithospermum diffusum oder das rosafarbene Polster der Saponaria ‚Bressingham Glow‘. Das grau-silbrige Laub und die langblühende Androsace lanuginosa bilden wunderbare Kontraste zu diesen Begleitpflanzen.
Vermehrung
Sie lässt sich auch leicht über Stecklinge vermehren – die Sommertriebe bilden schnell Wurzeln in feuchtem Sand oder Kies.
Androsace sempervivoides – Das fettblattähnliche Gänsefußkraut
Der Androsace sempervivoides stammt ebenfalls aus dem Himalaya und wächst in einer Höhe von 3000 bis 4000 Metern. Sein Name weist darauf hin: Die Blätter ähneln denen der Fetthennen (Sempervivum), obwohl die Pflanze deutlich kleiner ist.
Erscheinungsbild
In den kleinen, runden Blattrosetten liegen die grünen Blätter dachziegelartig übereinander – sie bilden dichte, ordentliche kleine Polster. Auf roten Trieben entwickelt die Pflanze weitere Rosetten, die Wurzeln schlagen und sich so langsam ausbreiten.
Im Mai und Juni öffnen sich an 6–8 cm hohen Stängeln in Dolden die rosafarbenen Blüten mit gelber Mitte. Die Blüten sind klein, aber ihr lebendiges Farbenspiel und der Kontrast zur gelben Mitte sind auffällig.
Standort und Boden
Diese Art ist außergewöhnlich anpassungsfähig: Sie gedeiht sowohl in Sonne als auch im Schatten, nur feuchten Boden verträgt sie nicht. Perfekte Wahl für Mini-Steingärten, Schalen, zwischen Steingartentreppen und neben Steinen.
Verwendung
Jeder Miniatur-Steingarten kann eine ausgezeichnete, niedrig wachsende Teppichpflanze beherbergen. Klein, ordentlich und pflegeleicht. Passt gut zu anderen kleinen alpinen Pflanzen, wie kleinen Glockenblumen, winzigen Thymianarten oder Hauswurzkissen.
Die vier vorgestellten Arten der Gattung Chamaejasme repräsentieren vier unterschiedliche Charaktere:
- Androsace sarmentosa – die tolerante, anfängerfreundliche, großflächige rasenbildende Art
- Androsace chamaejasme – der pyrenäische Schatz, empfindlich, aber mit wunderschönen weißen Blüten
- Androsace lanuginosa – der lang blühende, silberwollige Himalaya-Nomade
- Androsace sempervivoides – der Miniaturteppich mit Mauerrosenblättern
Jede Art hat ihren Platz im Steingarten – die Frage ist nur, welche am besten zur Atmosphäre deines Gartens und zu deinem verfügbaren Standort passt. Du kannst aber auch alle vier pflanzen: Zusammen bilden sie einen wunderbaren, abwechslungsreichen Teppich zwischen den Steinen.
Weitere interessante Fakten:
TL;DR – Brief summary
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Entdecken Sie die wahren Schätze der Steingärten, die besondere Welt der Androsace! In diesem Beitrag stellen wir Ihnen die beliebtesten, kriechenden und polsterbildenden Arten vor, von anfängerfreundlichen Kriechpflanzen bis hin zu wolligen Spezialitäten aus dem Himalaya. Sie erfahren, warum eine perfekte Drainage entscheidend ist, wie Sie die ideale Erdmischung für empfindlichere Arten vorbereiten und wie Sie einen silbrigen Blätterteppich zwischen Ihren Steinen zaubern können. Wenn Sie die Eleganz von Hochgebirgspflanzen und lang anhaltende Blüten lieben, ist Androsace ein Muss für Ihre Sammlung!
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- Androsace sarmentosa – Das rankende Androsace, der Freund der Gartenanfänger
- Erscheinung und Wachstum
- Standort und Boden
- Verwendung
- Androsace chamaejasme – Die Schmuckschatulle der Pyrenäen
- Erscheinungsbild
- Standort und Boden
- Herausforderungen
- Androsace lanuginosa – Der wollige Himalaya-Nomade
- Erscheinungsbild
- Wachstum und Überwinterung
- Standort und Boden
- Begleitpflanzen
- Vermehrung
- Androsace sempervivoides – Das fettblattähnliche Gänsefußkraut
- Erscheinungsbild
- Standort und Boden
- Verwendung
- Weitere interessante Fakten:
Frequently asked questions
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* Wie sieht ein gut drainierter Steingarten aus?
Ein gut drainierter Steingarten ist unerlässlich, um Staunässe zu vermeiden und die Gesundheit der Pflanzen zu gewährleisten. Sein Hauptmerkmal ist lockerer Boden, der aus wasserdurchlässigen Schichten besteht, sodass Niederschläge schnell abfließen können.
- Wasserdurchlässiger Boden: Der Boden in einem Steingarten darf kein Wasser zurückhalten. Lehmiger oder verdichteter Boden muss aufgelockert werden, beispielsweise durch Zugabe von Sand. Das Ziel ist eine lockere, körnige Struktur, die den natürlichen Lebensraum der Pflanzen in den Bergen nachahmt.
- Drainageschicht: Bei der Anlage wird häufig eine Schicht aus Kies oder Schotter auf den Untergrund aufgebracht, um zu verhindern, dass sich Wasser am Boden des Steingartens ansammelt. Diese Drainageschicht sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser schnell abfließen kann. Verwendung von Geotextil: Geotextil, das zwischen der Kiesschicht und der Oberbodenschicht verlegt wird, verhindert, dass sich die beiden Schichten vermischen, und erhält so langfristig die Drainagekapazität.
- Anlage in Hanglage: Idealerweise sollte der Steingarten an einem leicht geneigten, sonnigen Standort angelegt werden, der mit Hilfe der Schwerkraft ebenfalls die natürliche Wasserableitung fördert.
- Geeignete Pflanzen: Gut entwässerte Steingärten sind ideal für trockenheitstolerante Pflanzen wie Zistrosen, Sedum und Lavendel, die stehendes Wasser nicht vertragen.
Insgesamt ist ein gut drainierter Steingarten ein Lebensraum, der die Pflanzenwurzeln vor Fäulnis während Perioden mit starken Winterregenfällen oder übermäßiger Bewässerung im Sommer schützt.
Wie können wir Pflanzen aus Felsenjasmin-Reben (Peitschenreben) am einfachsten vermehren?
Arten aus der Chamaejasme-Gruppe, wie Androsace sarmentosa und A. sempervivoides, entwickeln neue Blattrosetten an langen Ranken. Wenn diese Ranken mit kleinen Steinen am Boden befestigt werden, wurzeln sie viel schneller und bilden einen dichteren Teppich.
Wie können wir die Nomaden im Himalaya schützen, die den Nebel und den wolligen Felsenjasmin lieben?
Androsace lanuginosa blüht lange – aber nur, wenn wir sie richtig pflegen. Sie verträgt zwar Sonne, mag aber keine übermäßig heiße und trockene Luft. In der Großen Ebene sollte man sie an einem Standort pflanzen, wo Steine ihre Wurzeln nachts kühlen oder wo morgendlicher Tau auf ihren wolligen Blättern liegen bleibt.
Wie sehr bevorzugt Androsace chamaejasme kalkhaltigen, kalkreichen Boden?
So sehr, dass diese Art speziell Kalkstein benötigt. Aus Sicht eines Gärtners ist es wichtig zu betonen, dass nicht nur Kalkstein in den Boden gemischt werden muss, sondern dass die Pflanze auch direkt in Spalten in Kalksteinfelsen gepflanzt werden sollte, da die Oberfläche des Felsens eine gleichmäßigere Temperatur und Feuchtigkeit für die empfindlichen Wurzeln bietet.
Welche konkreten Maßnahmen können zum Schutz von Jasminpflanzen im Winter ergriffen werden?
Wie im obigen Artikel erwähnt, ist stehendes Wasser der größte Feind. Bei wollblättrigen Arten (A. lanuginosa, A. villosa) kann eine kleine Glasscheibe oder Dachziegel manchmal ein Lebensretter gegen winterliche Feuchtigkeit sein. Legen Sie diese über die Pflanze, um zu verhindern, dass die Blätter ständig nass werden.