Fast jeder Steingärtner erlebt den Moment, in dem er ratlos auf der Nordseite steht oder im Schatten eines mächtigen Felsblocks verweilt. Viele betrachten diesen Bereich dann als „Verlust“, doch Schatten ist nicht das Ende des Steingartens, sondern der Beginn einer ganz neuen, mystischen Welt.
Als Gärtner neigen wir dazu, Sonnenlicht-Enthusiasten zu werden. Wir suchen die südliche Ausrichtung, zählen die Sonnenstunden und blicken manchmal fast bedauernd auf jene Ecken unseres Gartens, in die das Licht „nicht reicht“. Bei einem Steingarten ist dieses Gefühl noch intensiver: die Nordseite der Steine, der dunklere Streifen neben der Hauswand oder der Schatten eines ausladenderen Busches bleiben oft kahl, als ob das Leben dort stillsteht.
Der Schatten ist kein Fehler im System. In den Hochgebirgen, aus denen unsere Lieblingspflanzen stammen, entstehen die faszinierendsten Lebensgemeinschaften oft gerade in moosbedeckten, kühlen, nördlichen Felsspalten. Hier sind die Farben intensiver, die Texturen samtiger, und die Ruhe ist deutlich spürbar.